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Babywelt Blog | Stillzeit

Stillen zelebrieren, stillen fördern

10. Oktober 2021

Über die Nachbetreuung durch die Hebamme nach der Geburt. Im Gespräch mit Hebamme Tanja Kops.

Eine besondere Chance für eine gute Stillbeziehung liegt in der Betreuung durch eine Hebamme von Mutter und Kind direkt nach der Geburt, der sogenannten Nachbetreuung. Dazu haben wir Tanja Kops, Hebamme im Verein freier Hebammen (hebammenzentrum.at) genauer befragt. Denn nicht alle Eltern wissen über diese besondere Hilfestellung in der sensiblen ersten Lebenszeit des Neugeborenen Bescheid.

Zurück zum Ursprung: Frau Kops, Sie haben viele Jahre Erfahrung in der Beratung und Betreuung von Frauen in der Schwangerschaft bis nach der Geburt. Welche besonderen Vorteile bzw. Chancen bietet dabei die Nachbetreuung genau?

Kops: Das Wichtigste ist, dass die Betreuung zu Hause stattfindet. Die Mutter muss somit in den ersten Tagen bzw. Wochen nicht außer Haus, was kurz nach der Geburt sehr anstrengend sein kann. Zudem ist die Begleitung in der gewohnten Umgebung oft entspannter, sehr individuell und dadurch besonders bindungsfördernd. Wir haben dabei die ganze Familie im Blick: sie wird kontinuierlich von ein und derselben Hebamme betreut, die so auf alle Fragen, auch bezogen auf den familiären Alltag, eingehen kann.

Zurück zum Ursprung: Ab welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft hat die Mutter grundsätzlich die Möglichkeit, sich an eine Hebamme zu wenden bzw. welche Möglichkeiten gibt es generell an Unterstützung durch eine Hebamme schon vor der Geburt?

Kops: Grundsätzlich ab Beginn der Schwangerschaft. Hebammen sind dazu ausgebildet, physiologische Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu begleiten. Zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche haben alle Frauen die Möglichkeit einer kostenlosen Beratung im Rahmen des Mutter-Kind-Passes. Außerdem bezahlt die Krankenkasse 2 Hausbesuche in der Schwangerschaft bei geplanter ambulanter Geburt und 8 Hausbesuche bei geplanter Hausgeburt ab der 22. SSW.
Privat kümmern sich viele Paare um einen Geburtsvorbereitungskurs, der oft von Hebammen geleitet wird. Auch eine sogenannte Geburtsbegleitung ist in manchen Spitälern möglich. Dabei wird die ganze Geburt durch die „eigene“ Hebamme kontinuierlich betreut.
In Wien gibt es zudem die Familienhebammen, die vor allem Risikoschwangere kostenlos betreuen, und das Hebammenzentrum mit kostenlosem Schwangerenprojekt (Pilotinnenprojekt) und der Möglichkeit zur kostenlosen Beratung in der Schwangerschaft und dem ersten Lebensjahr.

Das Hauptanliegen der Mütter ist die Unterstützung beim Stillen und Hilfe bei der Babypflege wie die Kontrolle vom Nabelschnurrest, erstes Baden oder Gewichtskontrolle des Babys.

Tanja Kops

Zurück zum Ursprung: Was genau umfasst die Nachbetreuung, was sind die wichtigsten Anliegen der Mütter?

Kops: Der Hausbesuch umfasst alle Themen, die im Wochenbett relevant sind. Angefangen von Stillen und Ernährung, Babypflege und das richtige Handling über allgemeine Fragen zum „neuen“ Leben als Familie bis hin zu allen körperlichen Veränderungen der Frau. Das Hauptanliegen ist oft die Unterstützung beim Stillen und Hilfe bei der Babypflege wie die Kontrolle vom Nabelschnurrest, erstes Baden, Gewichtskontrolle des Babys usw. Die Fragen sind einfach: „Ist das normal? Mach ich das richtig? Wie sollen wir tun?“.

Zurück zum Ursprung: Was sind die meisten Fragen von Müttern in der Schwangerschaft und nach der Geburt?

Kops: Was darf bzw. muss ich essen? Darf ich schwimmen bzw. in die Sauna oder Therme gehen? Welchen Sport darf ich wie lange machen? Wie bereite ich mich gut auf die Geburt bzw. auf das Stillen vor? Was muss ich alles besorgen bzw. wo muss ich was beantragen, z. B. hinsichtlich Karenz, Familienbeihilfe usw.? Brauche ich einen Geburtsvorbereitungskurs? Was tun bei speziellen Schwangerschaftsbeschwerden und psychischen Problemen?

Zurück zum Ursprung: Wir bedanken uns für das informative Gespräch!


Fakten zur Nachbetreuung:

  • Dauer: Anspruch auf Nachbetreuung besteht bis zur 8. Lebenswoche des Babys.

  • Umfang: Mindestens ein Hausbesuch in den ersten 5 Lebenstagen (nach Kaiserschnitt in den ersten 6 Lebenstagen). Bei Bedarf wie z. B. Probleme beim Stillen sind 7 weitere Besuche möglich.

  • Ort: Normalerweise findet die Betreuung zu Hause statt. Manche Hebammen haben aber auch Ordinationen, in die die Familien kommen können.

  • Wie: Die Frauen müssen diese Leistung nicht beantragen. Sie müssen sich nur eine Hebamme suchen, die Zeit und Kapazität hat, am besten schon in der Schwangerschaft. Hebammen findet man unter www.hebammen.at oder www.hebammenzentrum.at.

  • Kosten: Es gibt Vertragshebammen und Wahlhebammen. Bei einer Vertragshebamme übernimmt die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) die Kosten komplett. Eine Wahlhebamme kostet in Wien zwischen 80 und 100 Euro pro Hausbesuch, wovon 80 % des Kassentarifs von der Krankenkasse rückerstattet werden.

     


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