Die ganzheitliche Bewertung hinter dem "Kreislauf des Lebens"

Die Bewertungen für den "Kreislauf des Lebens" der Zurück zum Ursprung Betriebe erfolgt durch das unabhängige Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Es ist die weltweit führende und renommierteste Forschungseinrichtung für biologische Landwirtschaft mit Forschungskompetenz seit 1973.

Hinter der Bewertung für den "Kreislauf des Lebens" steht die SMART-Methode (Sustainability Monitoring and Assessment RouTine), die es ermöglicht die Nachhaltigkeitsleistungen von landwirtschaftlichen Betrieben und Unternehmen zu analysieren und zu bewerten. SMART basiert auf den SAFA-Nachhaltigkeitsleitlinien1 (Sustainability Assessment of Food and Agriculture Systems), die von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) 2013 veröffentlicht wurden. Die Methode bietet erstmals einen globalen Rahmen und einheitliche Sprache für Nachhaltigkeitsbewertungen im landwirtschaftlichen Bereich. Dabei werden nicht nur die Prozesse am landwirtschaftlichen Betrieb, sondern der ganze Einfluss- und Verantwortungsbereich des Betriebes innerhalb  der gesamten Produktionskette berücksichtigt.

Die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit

Die Bewertungen für den "Kreislauf des Lebens" von Zurück zum Ursprung erfolgt  in den vier Dimensionen der Nachhaltigkeit: Natur (Ökologische Integrität), Wirtschaften (Ökonomische Resilienz), Menschen (Soziales Wohlergehen) und Organisation (Gute Unternehmensführung), welche sich wiederum in 21 Themen und insgesamt 58 Unterthemen untergliedern. Für jedes dieser Unterthemen sind in den SAFA Leitlinien konkrete Zielvorgaben formuliert, anhand derer es möglich ist, Nachhaltigkeitsleistungen zu bewerten.

  • Natur u.a. mit den Teilbereichen wie Klimaschutz, Bodenschutz und Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Artenvielfalt, Wasserschutz und Wasserverbrauch
  • Wirtschaften u.a. mit den Teilbereichen wie langfristige Investitionen, Investitionen in die Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, stabile Lieferbeziehungen und Zahlungsfähigkeit, Lebensmittelqualität und regionale Wertschöpfung
  • Menschen u.a. mit den Teilbereichen wie faire Handelspraktiken, Gesundheit, Lebensgestaltung, traditionelles Wissen, Ernährungssouveränität etc.
  • Organisation u.a. mit den Teilbereichen wie gesellschaftliche Verantwortung, Transparenz, Unternehmensethik, Ressourcenbeschaffung
58 Unterthemen von SMART

Natur (Ökologische Integrität)

Atmosphäre

Klimaschutz Der Ausstoß von Treibhausgasen wird minimiert.
Luftqualität Der Ausstoß von Luftschadstoffen und ozonabbauenden Stoffen wird verhindert.
Wasser

Wasserverbrauch, Wasserschutz Die Entnahme und Nutzung von Grund- und Oberflächenwasser beeinträchtigt natürliche Wasserkreisläufe und Ökosysteme nicht.
Wasserqualität Die Freisetzung von Schadstoffen ins Wasser wird verhindert, sodass eine Gefährdung von Menschen und Ökosystemen ausgeschlossen ist.
Boden

Bodenfruchtbarkeit Der Boden bietet die besten Bedingungen für Pflanzenwachstum und Bodengesundheit. Chemische und biologische Bodenverunreinigung wird verhindert.
Bodenschutz Die Bodenqualität wird bewahrt, zerstörte Flächen saniert.
Biodiversität

Vielfalt der Lebensräume Die Vielfalt und Funktionalität von natürlichen, naturnahen und landwirtschaftlichen Ökosystemen werden bewahrt und verbessert.
Artenvielfalt/Sortenvielfalt Die Artenvielfalt in natürlichen und naturnahen Ökosystemen sowie die Vielfalt von Nutztieren wird bewahrt und verbessert.
Genetische Vielfalt Die Vielfalt kultivierter Sorten, Arten und Rassen wird bewahrt und verbessert.
Ressourcennutzung


Materialverbrauch Der Materialverbrauch wird minimiert und Recycling- Wiederverwendungs- und Rückgewinnungsraten maximiert.
Energieverbrauch Eine nachhaltige erneuerbare Energie wird forciert und der Gesamtenergieverbrauch verringert.
Abfallmanagement Abfall wird reduziert und sachgemäß entsorgt, so dass weder die Gesundheit von Menschen noch Ökosysteme bedroht werden.
Tierwohl

Tiergesundheit Tiere werden frei von Hunger und Durst sowie Verletzungen und Krankheiten gehalten.
Artgerechte Haltung Tiere werden unter artgerechten Bedingungen und frei von Beschwerden, Schmerzen, Verletzungen, Krankheiten, Angst und Leid gehalten.

Wirtschaften (Ökonomische Resilienz)

Investitionen Investitionen in die Nachhaltigkeit Kontinuierliche interne Investitionen zielen darauf ab die Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern.
Gemeinnützige Investitionen Durch seine Investitionen trägt der Betrieb zur nachhaltigen Entwicklung der Gemeinschaft bei.
Langfristige Investitionen Investitionen in z.B. Produktionsstätten oder Ressourcen zielen auf langfristige Nachhaltigkeit statt auf kurzfristige Profite ab.
Wirtschaftlichkeit Durch seine Investitionen und Geschäftstätigkeiten schafft es der Betrieb, ein positives Geschäftsergebnis zu erzielen.
Wirtschaftliche Sicherheit, Wirtschaftliche Stabilität




Produktionsstabilität Die Produktion (Menge und Qualität) ist ausreichend widerstandsfähig, um ökologische, soziale und wirtschaftliche Krisen abzufedern und sich ihnen anzupassen.
Stabile Lieferbeziehungen Stabile Geschäftsbeziehungen mit einer ausreichenden Anzahl an Zulieferern sind sichergestellt und alternative Beschaffungskanäle stehen zur Verfügung.
Stabiler Absatz Ausreichende Kunden, eine vielfältige Einkommensstruktur und alternative Vermarktungskanäle stehen zur Verfügung.
Zahlungsfähigkeit Durch finanzielle Liquidität, den Zugang zu Krediten und Versicherungen werden Zahlungsausfälle verhindert.
Risikomanagement Strategien bestehen, um internen und externen Risiken und Gefahren als Betrieb standhalten zu können.
Produktwertigkeit


Lebensmittelsicherheit Lebensmittelgefahren werden systematisch kontorolliert und jede Verunreinigung von Lebensmitteln mit potenziell schädlichen Substanzen wird vermieden.
Lebensmittelqualität Bei der Lebensmittelproduktion werden höchstmögliche Qualität und Nährwerte erzielt.
Produktinformationen Vollständige und korrekte Informationen zu Produkten sind öffentlich zugänglich und nicht irreführend.
Regionale Ökonomie Regionale Wertschöpfung Die lokale Wirtschaft wird durch Schaffung von Arbeitsplätzen und Zahlung lokaler Steuern gestärkt.
Regionaler Einkauf Die lokale Wirtschaft wird durch Bezug der Rohwaren lokaler Lieferanten gefördert.

Menschen (Soziales Wohlergehen)

Lebensgestaltung


Lebensqualität Produzenten und Angestellte entlang des gesamten Produktionsprozesses genießen einen Lebensunterhalt, der eine ausreichend Ernährung und Zeit für Familie, Ruhepausen und Kultur bietet.
Weiterbildung Produzenten und Angestellte entlang des gesamten Produktionsprozesses haben die Möglichkeit auf Aus- und Weiterbildung innerhalb ihres Fachgebiets.
Fairer Zugang zu Produktionsmitteln Für Produzenten entlang des gesamten Produktionsprozesses besteht ein rechtmäßiger und fairer Zugang zu Ressourcen, inklusive Ausrüstung, Kapital und Wissen.
Faire Handelspraktiken

Verantwortungsvoller Einkauf Lieferanten erhalten einen fairen Preis, der die Zahlung von existenzsichernden Löhnen, eine nachhaltige Wirtschaftsweise und die Deckung der Kosten ermöglicht. Verhandlungen und Verträge sind transparent und basieren auf Gleichberechtigung.
Rechte von Zulieferern Die Rechte von Lieferanten bezüglich freier Wahl der Partner (Koalitionsfreiheit) und fairer Verhandlung bei Verträgen, werden gewahrt.
Arbeitsrechte



Beschäftigungsverhältnisse Für sämtliche Mitarbeitende im Betrieb und seinem Einflussbereich gelten rechtsverbindliche und transparent geregelte Verträge, die nationalen Gesetzen entsprechen.
Zwangsarbeit Der Betrieb akzeptiert keinerlei Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft oder unfreiwillige Arbeit, weder in den eigenen Betrieben noch in denen der Geschäftspartner.
Kinderarbeit Der Betrieb akzeptiert keinerlei Kinderarbeit, die deren Gesundheit schadet oder deren Erziehung behindert, weder in eigenen Betrieben noch in denen von Geschäftspartnern.
Versammlungs- und Verhandlungsfreiheit Sämtliche Mitarbeitende im Betrieb und seinem Einflussbereich haben das Recht auf den Anschluss an eine Gewerkschaft, auf Tarif- und Beschäftigungsverhandlungen.
Gleichberechtigung


Toleranz Strenge Gleichberechtigungs- und Antidiskriminierungsgrundsätze gelten für sämtliche Beteiligten im Betrieb und seinem Einflussbereich.
Gleichstellung der Geschlechter Es gibt kein Geschlechtergefälle bei Anstellung, Vergütung, Zugang zu Ressourcen, Ausbildung und Karrierechancen.
Förderung benachteiligter Gruppen Besonders schutzbedürftige Gruppen entlang des gesamten Produktionsprozesses z.B. Menschen mit Behinderung, sozial Benachteiligte werden proaktiv unterstützt.
Gesundheit

Arbeitssicherheit Der Arbeitsort erfüllt entsprechende Vorschriften, ist sicher und erfüllt zufriedenstellend menschliche Bedürfnisse wie z.B. gesunde Ernährung und Sanitäranlagen.
Öffentliche Gesundheit Der Betrieb trägt zur öffentlichen Gesundheitsversorgung bei und  beeinträchtigt nicht die gesunde und sichere Lebensweise lokaler Gemeinschaften z.B. durch den Einsatz von Pestiziden.
Kulturelle Vielfalt Traditionelles Wissen Traditionelles und kulturelles Wissen wird als geistiges Eigentum geschützt und anerkannt.
Ernährungssouveränität Produzenten haben Wahlfreiheit und Eigentumsrechte in Bezug auf Produktionsmittel, indem z.B. Patente auf diese verhindert werden. Dies gilt vor allem bei der Erhaltung und Nutzung von traditionellen, alten und lokal angepasste Sorten oder Rassen.

Organisation (Gute Unternehmensführung)

Unternehmensethik

Unternehmensleitlinien Der Betrieb hat und veröffentlicht Leitlinien zu allen Bereichen der Nachhaltigkeit die nicht nur für ihn sondern auch für Partner verpflichtend sind.
Sorgfaltspflicht Der landwirtschaftliche Betrieb berücksichtigt das Risiko und die Auswirkungen seines Wirtschaftens auf alle Bereiche der Nachhaltigkeit, bei sämtlichen Entscheidungen.
Verpflichtung


Ganzheitliche Audits Der Betrieb berücksichtigt und lässt alle vier Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökologie, Soziales, Ökonomie und Unternehmensführung) überprüfen.
Verantwortungsvolles Handeln Der Betrieb bewertet die eigenen Leistungen in Bezug auf Nachhaltigkeit regelmäßig und kritisch und sucht nach Verbesserungsmöglichkeiten.
Transparenz Verfahren, Richtlinien, Entscheidungen oder Entscheidungsprozesse sind (sofern angemessen) öffentlich zugänglich.
Teilnahme, Einbindung


Dialog mit Interessensgruppen Der Betrieb informiert bzw. bezieht pro-aktiv mögliche betroffene Interessensgruppen bei kritischen Entscheidungen mit ein und berücksichtigt ihre Beiträge angemessen.
Beschwerdemechanismen Es besteht ein Zugang zu angemessenen Beschwerdeverfahren ohne die Gefahr negativer Folgewirkungen für alle Interessensgruppen.
Konfliktlösung Bei Konflikten wird ein respekt- und verständnisvoller Dialog, der auf Kooperation und Gleichberechtigung beruht, gesucht.
Rechtsstaatlichkeit



Rechtmäßigkeit Der Betrieb hält sich an alle anwendbaren Gesetze, Verordnungen, internationale Menschenrechtsstandards oder freiwilligen Vereinbarungen.
Vorsorge Der Betrieb leitet bei Rechtsverletzungen umgehend wirksame Abhilfe ein und trifft Maßnahmen für die Wiederherstellung und künftige Vermeidung.
Gesellschaftspolitische Verantwortung Der Betrieb nimmt seine Verantwortung in allen Bereichen der Nachhaltigkeit wahr und setzt sich für soziale oder ökologische Belange und für die  Verbesserung von rechtlichen und behördlichen Vorgaben ein.
Ressourcenbeschaffung Die Beschaffung von Ressourcen (z.B. Betriebsmitteln oder Land) verletzt keine Rechte von Dritten.
Ganzheitliche Organisation

Nachhaltigkeitsplanung Der Betrieb plant die Verbesserung seiner Nachhaltigkeitsleistungen systematisch und baut zukünftige Betriebsentscheidungen auf diese Planungen auf. Zielkonflikte und Synergien zwischen allen Dimensionen der Nachhaltigkeit werden berücksichtigt.
Berücksichtigung externer Kosten Der Betrieb berücksichtigt externe Kosten (z.B. Naturverbrauch, Ausbeutung sozial schwacher Gruppen etc.) und Subventionen in seiner Buchhaltung.

Quellen: eigene Darstellung und Formulierung auf Basis von Nachhaltigkeitsanalyse und -bewertung im Agrar- und Lebensmittelsektor, SMART; sowie der SAFA Leitlinien

1 Weiters wurden bei der Entwicklung von SMART die Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Global Reporting Initiative GRI-G4, der UN Global Compact, der ISO 26000 „Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung“, der SA8000 Standard zur sozialen Verantwortung, die ILO Arbeits- und Sozialstandards sowie die Indikatoren-Matrix der Gemeinwohlökonomie berücksichtigt.