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Die Rolle der Ernährung in der Antwort auf Corona: Im Gespräch mit Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm

Bis eine medizinische Antwort auf Corona gefunden wird, müssen wir das Wort umso mehr dem Immunsystem überlassen. Wie können Eltern in dieser Lage ihre Gesundheit und jene ihrer Kinder durch Ernährung unterstützen?

Lesen Sie hier die Antworten von
Prof. Dr. Kurt Widhalm, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Ernährungsmediziner und Vorstand des wissenschaftlichen Beirats für die Zurück zum Ursprung Babynahrung auf unsere vielfältigen Fragen.

Zurück zum Ursprung: Herr Prof. Dr. Widhalm, aktuell sind die Menschen zu Hause mehr als zuvor auf Informationen aus den Medien angewiesen, auch was fachlichen Rat zur Gesundheit angeht. Dabei kann es durch „fake storys“ leicht zu Irreführung kommen. Was genau können wir in dieser Zeit tatsächlich Gutes für unsere Gesundheit tun?


Widhalm: Gerade in dieser Ausnahmesituation gilt mehr denn je, wissenschaftlich fundierten Ernährungsempfehlungen zu folgen, die sich im Wandel der Zeit als stabil erwiesen haben. Vermeintliche Wunderwirkungen und Trends einzelner Studien tauchen zuweilen in den Medien plötzlich auf und verschwinden genauso schnell auch wieder. Was bleibt, ist Verunsicherung. Dabei ist gesunde Ernährung kein Mythos. Viele Aspekte davon finden sich in den Ernährungsgewohnheiten früherer Generationen, etwa Ursprünglichkeit und Vielfalt, Saisonalität und Regionalität. Gesundheitsfördernde Faktoren unterschiedlichster Ernährungsweisen wurden über Jahrzehnte auch auf biochemischer Grundlage erforscht und systematisch geprüft. Sie sind in den heute vorliegenden evidenzbasierten Leitlinien auf dem aktuellsten Stand zusammengefasst sowie in praktischen Modellen wie dem Gesunden Teller umgesetzt. Er zeigt das Verhältnis, in dem einzelne Nahrungsmittelgruppen zusammengestellt werden sollten: die Hälfte des Tellers sollte aus Obst und Gemüse bestehen, ein Viertel aus Vollkornprodukten (=Kohlenhydraten) und ein Viertel aus Eiweiß. Für ein genaueres Richtmaß sind auch die Portionen angegeben.

Zurück zum Ursprung: Gibt es bestimmte Lebensmittel am Gesunden Teller, von denen man diese Tage vermehrt essen sollte?

Widhalm: Die Wirkung des Gesunden Tellers liegt in seiner Vielfalt an Lebensmitteln und somit in seiner Fülle an Nährstoffen. Das Gegenteil nämlich, der Mangel – etwa durch eine unzureichende bzw. einseitige Ernährung und somit Nährstoffzufuhr –, kann unter anderem zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führen.
So zeigt der Gesunde Teller die Wichtigkeit einer vielfältigen Nahrungswahl auf. Hier sind wir aufgrund unserer ausgezeichneten heimischen Versorgung auch in Zeiten, wo die Grenzen geschlossen werden, in der Lage, uns abwechslungsreich zu ernähren. Es gilt daher: Beim Obst nicht nur Bananen und Äpfel und beim Gemüse nicht nur Karotten und Gurken, sondern möglichst bunt, je farbenfroher desto besser. Im Bereich der Kohlenhydrate kann neben Kartoffeln, Reis und den herkömmlichen Vollkorngetreideprodukten auch auf weniger bekannte Getreidesorten wie Kamut, Emmer oder Einkorn zurückgegriffen werden. Und es ist auch wichtig, die gesamte Eiweißvielfalt von Hülsenfrüchten, über Nüsse, Eier, Milch und Milchprodukte bis zu Fleisch, Fisch und Co zu nutzen. Zudem sind Faktoren wie Saisonalität und Frische zu beachten.

Zurück zum Ursprung: Braucht das Immunsystem einen speziellen Nährstoff beispielsweise in Form eines Nahrungsergänzungsmittels?

Widhalm: Grundsätzlich gilt: Ein gesunder Mensch, der sich entsprechend des Gesunden Tellers ernährt und nicht jeden Tag den Großglockner besteigt, braucht keine Supplemente. Es ist auch keine routinemäßige Einnahme eines Präparats zur Prophylaxe und Therapie von Erkältungen nötig.
Unter bestimmten Lebensumständen, wenn das Risiko eines Mangels besteht oder ein Mangel diagnostiziert wurde, kann die zusätzliche Zufuhr bestimmter Mikronährstoffe über Nahrungsergänzungsmittel für die generelle Gesundheit angezeigt sein. Das gilt zum Beispiel für Schwangere, Stillende, Ältere, bei bestimmten Ernährungsformen wie Veganismus oder nach Operationen, Chemotherapien etc. Hier kann eine gezielte und kontrollierte Supplementierung in Abstimmung mit einem Arzt sinnvoll und wichtig sein.


Zurück zum Ursprung: Schwangere und stillende Frauen haben einen höheren Bedarf an vielen Mikronährstoffe, darunter Vitamin A, D, C oder Zink. Gleichzeitig gelten während der Schwangerschaft aufgrund lebensmittelbedingter Infektionsgefahr bestimmte Fleisch-, Fisch- und Milchprodukte sowie diverse Fertigprodukte mit rohen Eiern oder Salaten als ungeeignet. Was raten Sie hier?

Widhalm: Es steht ganz klar fest: Schwangere und Stillende können den Mehrbedarf bis auf Ausnahmen (Folsäure, ggf. Vitamin D und Eisen) durch eine geeignete Lebensmittelauswahl decken. Eine Orientierung dafür bieten der Gesunde Teller mit den zusätzlichen Extraportionen, wie in Ernährung von Mutter & Kind/Schwangerschaft angegeben. Hier wird auch darüber informiert, aus welchen Lebensmitteln diese Extraportionen in der Schwangerschaft definitiv nicht bestehen sollten und welche Lebensmittel aufgrund ihrer Gehalte an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen unterstützend wirken können, einen Mangel zu vermeiden. Auch hier gilt: Vielfalt vor Einfalt bei der Auswahl aus der weiterhin sehr breiten Palette an möglichen Nahrungsmitteln.

Zurück zum Ursprung: Ein Neugeborenes braucht von Geburt an nur ein einziges Nahrungsmittel. Die Muttermilch (wenn nicht ausreichend vorhanden, ergänzt bzw. ersetzt durch Säuglingsnahrung) versorgt es mit allen Nährstoffen für ein gesundes Wachstum. Nach vier bis sechs Monaten wird aufgrund des steigenden Bedarfs an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen aber eine komplexere, vielfältigere Nahrungsaufnahme nötig. Wie können Eltern die Entwicklung einer vielfältigeren, reichhaltigeren Ernährung ihres Kindes unterstützen?

Widhalm: Nach dem 4. Monat steigt besonders der Bedarf an Eisen, Zink oder auch Selen stark an. Daher gilt es, dem Baby primär Beikost bestehend aus Getreide, Fleisch, Gemüse und Hülsenfrüchten zu essen zu geben. Fleisch (alternativ auch Fisch) kann gemeinsam mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Reis etc. einmal täglich zu essen gegeben werden. Getreide (idealerweise Vollkorn) kann in Form von Breien bei Bedarf durchaus auch zweimal täglich gegeben werden, am besten abwechselnd in Kombination mit Milch, Obst oder Gemüse.

Bei Menge und Häufigkeit der ersten Beikost ist selbstverständlich immer auf die individuelle Entwicklung des einzelnen Kindes, sein allgemeines Wohlbefinden und Gedeihen zu achten. Wichtig ist dabei aber immer, Angebote aus allen Lebensmittelgruppen zu machen, also abwechselnd und regelmäßig von Getreide, Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Eiern etc., so wie es in Ernährung Mutter & Kind/Beikost gut beschrieben ist. Vielfalt und Abwechslung liefern dem Kind nicht nur zusätzliche, unterschiedliche Nährstoffe. Sie dient auch als breite Basis für die spätere Ernährung im Kleinkind- und Kindesalter für eine gesunde Auswahl wie beim Gesunden Teller.

Zurück zum Ursprung: Die Rolle der Ernährung in der Antwort auf Corona: Gibt es einen Gewinn gerade für Familien in der aktuellen Situation? 

Widhalm: Wo es ein Umdenken gibt, gibt es auch eine Chance für Veränderung. Über die Gesundheit, nicht nur über die eigene, machen sich die Menschen seit einigen Wochen besonders viele Gedanken. Gleichzeitig hat sich die persönliche Lage stark verändert, gerade für Familien: Eltern und Kinder verbringen so viel Zeit wie schon lange nicht mehr miteinander, der Tagesablauf ist umstrukturiert, der Lebensraum eingeschränkt. Wenn es gelingt, sich neben oder vielleicht sogar aufgrund von kritischen Phasen auf das Wesentliche zu besinnen, besteht die Chance, sich auch mehr mit sich und seiner Gesundheit auseinanderzusetzen.
Gerade Eltern können diese Tage zum einen ihre eigene Ernährung überdenken und verändern, auch in Hinsicht auf ihre Modellwirkung. Zum anderen können sie mehr Zeit mit ihren Kindern mit der gemeinsamen Planung von Mahlzeiten, Einkaufen, Kochen und Essen verbringen. Ein nachhaltiger Gewinn ist, wenn das Bewusstsein größer wird für die Lebensmittel in unserem Land und wenn Eltern mit ihren Kindern in dieser Vielfalt und Verfügbarkeit insbesondere von Saisonalem und Regionalem einen wichtigen Nutzen für ihre Gesundheit erkennen und schätzen lernen. 

Zurück zum Ursprung: Wir danken Prof. Dr. Kurt Widhalm für das interessante Gespräch!

Wichtiger Hinweis:

Stillen – Dialog zwischen Mutter und Kind

Stillen ist die beste Möglichkeit, Ihr Baby von Anfang an optimal zu versorgen. Muttermilch enthält alle wichtigen Vitamine, Mineralstoffe, Proteine, Fette, Milchzucker und Spurenelemente und passt sich stets den Bedürfnissen Ihres Babys an. Mit Muttermilch wird nicht nur der Energiebedarf gedeckt, sondern sie schützt zudem vor Allergien und Infekten. Somit ist Muttermilch mit ihrem idealen Nährstoffmix die natürlichste und nachhaltigste sowie preiswerteste Ernährungsform.

Stillen ist zudem für die Bindung zwischen Mutter und Kind wichtig. Die gemeinsame Kuschelzeit stillt die Bedürfnisse nach Nähe und Geborgenheit, Hautkontakt und Wärme.

Eine ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit begünstigt das Stillen. Während der Schwangerschaft bereitet sich die Brust vollkommen natürlich auf das Stillen Ihres Kindes vor. Frühes und häufiges Anlegen unterstützt den Milchfluss. Bei Problemen mit dem Stillen wenden Sie sich an Ihre Hebamme, Ihre Stillberaterin oder Ihren Kinderarzt.

Die Verwendung von Säuglingsanfangsnahrung kann den Erfolg des Stillens beeinflussen. Die Entscheidung, nicht zu stillen, kann nur schwer rückgängig gemacht werden. Sprechen Sie deshalb mit Ihrer Stillberaterin, Hebamme oder Ihrem Kinderarzt, wenn Sie Ihrem Kind Säuglingsnahrung geben möchten. Eine unsachgemäße Zubereitung von Säuglingsanfangsnahrung kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Bitte beachten Sie deshalb sorgfältig die Hinweise und Zubereitungsanleitungen auf den Verpackungen.

Falls Sie weitere Informationen zum Thema Stillen oder unserem Milchnahrungssortiment suchen, finden Sie diese in der Zurück zum Ursprung Babywelt.

Wichtiger Hinweis:

Stillen – Dialog zwischen Mutter und Kind

Stillen ist die beste Möglichkeit, Ihr Baby von Anfang an optimal zu versorgen. Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe und passt sich stets den Bedürfnissen Ihres Babys an.Muttermilch schützt zudem vor Allergien und Infekten, fördert die Mutter-Kind-Beziehung, ist immer verfügbar, hygienisch einwandfrei und die preisgünstigste Ernährungsform.

Bedenken Sie, dass die Entscheidung nicht zu stillen nur schwer rückgängig gemacht werden kann und die Verwendung von Säuglingsnahrung den Erfolg des Stillens beeinflusst. Beachten Sie die Hinweise zu Zubereitung und Lagerung auf der Verpackung, eine unsachgemäße Verwendung kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.